Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann;
gib mir den Mut, Dinge zu ändern,
die ich zu ändern vermag,
und gib mir die Weisheit,
das eine vom andern zu unterscheiden.

Rainer Maria Rilke

Posts mit dem Label Tips werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tips werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 18. Februar 2010

der Frühling kommt doch noch

Nimburg am Kaiserstuhl


Lieber Klaus,

Ich habe mich sehr über Deine ausführlich Mail mit den vielen spannenden Infos gefreut.
Inzwischen habe ich erste Schritte für die Realisierung meines Abenteuers unternommen. Pilgerpass beantragt, VHS-Kurs Anfängerspanisch gebucht, Paul Coelho gelesen, Hape Kerkeling auch, Karten und Internetforen durchforstet und immer wieder die zwischen Wunsch und Unsicherheit an mich gerichtete Frage, wie gut will und werde ich mich auf dem Jakobsweg kennenlernen,  und wird es mir gut tun? Fest steht: ich stehe mit beiden Beinen im Leben, bin mutig, neugierig und von dem Wunsch beseelt, meinen inneren Weg zu gehen. 
Ganz praktische Fragen belasten mich eher: ich hörte, das es vor den Refugios schon Mittags Warteschlangen gibt??? Und was macht man, wenn alles ausgebucht ist, und es keine Pension in dem Örtchen gibt??? Sollte man tatsächlich ein Zimmer zwei Tage vorher per Handy reservieren finde ich irgendwie stillos. Wie gehe ich mit eventuell herumstreunenden Hunden um. Wirkt Pfefferspray?
Da ich unbedingt in Santiago ankommen will, und ja die letzten 100 km vor dem Ziel gelaufen sein muss, werde ich wohl für einige Strecken den Bus oder die Bahn nehmen. Gilt das als ehrenrührig?
Ich werde mir in dieser Woche Wanderstiefel kaufen, und sie bei vielen Spaziergängen rund um unsere schöne Alster (7,5 km) weich laufen. Überhaupt die Füße: gibt es schon eine Art Fußtraining vor der Reise, damit die zarten Füßchen die rauhen Strapazen von Geröll und permanentem Schuhdruck unbeschadet überstehen?  Ich las, dass man die Füße morgens mit Hirschtalg einreiben solle, so wie es die alten Soldaten machten...Ich werde jedenfalls beim Kauf von Socken&Co nur das Allerbeste nehmen. Die Frage ist auch, ob man noch ein paar Sandalen einpacken sollte.
Ich denke an warmen Tagen sehnt sich der Fuß nach Atmung und Raum zum Ausdehnen der Zehen, oder ? Allerdings sollte man wohl an jedem Gramm Gewicht geizen, um den armen Rücken nicht eine zu große Last zuzumuten.
Den eigenen Rücksack packen stelle ich mir fast so intim vor, wie ein Tagebuch schreiben. Man trägt ja sein kleines Haus auf dem Rücken. Zumindest für eine Zeit befindet sich dort alles, was dem Menschen Identität, Überlebens-Werkzeug, und vielleicht auch spirituelle Kraft gibt. Zum ersten Mal werde ich dann wohl auch ein Messer im Gepäck haben zum Käse aus der Hand essen, zum Brot schneiden, oder einfach nur als gefühltes Verteidigungsinstrument in kritischen Situationen. Welche sollten das für eine Frau sein- Hunde, Diebe, Vergewaltiger? Ich bin bisher mit viel Optimismus und klarem Verstand gut über die Runden gekommen und so soll es auch 
bleiben.
Allein schon diese  wenigen Wochen mit der gedanklichen Einstimmung auf das Abenteuer Jakobsweg geben mir eine schöne Energie und das Gefühl, einen wichtigen Schritt  auf dem Weg zu mir selbst zu gehen.

Nachtrag: 

Vorhin habe ich mir kurzentschlossen Wanderstiefel gekauft- richtig edle, lederne wunderschöne Stiefel von Meindl, dazu die teuersten Strümpfe meines Lebens.
Überhaupt: wenn man durch das Globetrotter-Kaufhaus  hier in Hamburg wandelt, möchte man nur zuschlagen. Es gibt einfach zu verführerische Wander-Outfits, zum Beispiel feinste wollene Unterwäsche, die wärmt und kühlt und überhaupt das Leben viel schöner und gesünder macht. Die ganze Atmosphäre dort ist überhaupt so frisch, knackig gesund und biofrisch, als wenn man auf einer grünen Wolke über den Regenwald segelt. Jetzt habe ich jedenfalls eine Pilger-Packliste, und nun sollte es losgehen. Morgen beginne ich einen kurzen spanisch Crash-Kurs.
Es ist doch nett, wenn man sich mit Restaurantchefs, Bauern auf dem Feld oder spanischen Pilgern ein paar Begrüßungsworte zurufen kann.
Ich bin immer noch unsicher, von wo ich meinen Weg laufen soll, und ob ich unbedingt
in Santiago ankommen sollte. Lust hätte ich schon, aber dann kann es nicht vom Pamplona losgehen. Vielleicht wäre Burgos ein Startpunkt, von dem aus das Ziel nicht in so unerreichbarer Ferne erscheint. Mir geht es wie dir: ich werde diesem Weg ganz sicher noch  häufiger gehen, und muss deshalb nicht die ganze Route "durchziehen".
Du siehst, ich bin noch mitten in der Planungsphase.
Ich würde mich über Post von Dir freuen.
Liebe Grüsse aus dem verschneiten und eisig kalten Hamburg von
I..


Liebe I..,


Gestern bin ich ein Stück des Jakobswegs -dem badischen Jakobsweg- gegangen und obwohl ich eigentlich entgegen Santiago, also nach Norden gegangen bin, habe ich mich doch wieder ein Stück näher meinem Ziel gefühlt.

Mit ein paar praktischen Dingen muss ich mich aber auch noch befassen. Ich brauche noch ein Regenumhang, der auch Platz für den Rucksack hat, leicht ist und trotzdem bei einer Windböe am Körper bleibt. Eine Lupe, die leicht ist und bei der Unterwäsche habe ich mich auch noch nicht entschieden, ob ich mir jetzt welche aus Mikrofaser zulege.
Das mit dem Bettbezug aus Mikrofaser habe ich wieder verworfen, da mir das trotzdem noch zu schwer ist.  Also, du siehst, dass auch mich mit ganz profanen Dingen beschäftige.

Dass ich mal keine Übernachtung finden könnte, beschäftigt mich eher nicht. Habe es nicht erlebt, dass es irgendwelche Probleme gab. Natürlich sind die Gemeindeherbergen oder die kirchlichen Unterkünfte beliebt, schließlich ist die Übernachtung manchmal umsonst, oder für  3 – 5 Euro zu haben.  Außerdem sind diese Herbergen immer eine gute Bank für Neuigkeiten, Treffpunkte und Kommunikation. Wenn diese Herbergen dann auch noch in den zentralen Orten oder an „Etappenzielen“ sind, sind diese natürlich heiß begehrt. Dass es hier in den Monaten Juli oder August Warteschlangen gibt, kann ich mir gut vorstellen. Ich würde mich nicht um 12.00 Uhr mittags an eine dieser Menschenansammlungen anstelle. Die Vorstellung ist mir gerade zu schauderlich. Dafür gehe ich nicht den Jakobsweg. Es gibt viele private Herbergen, Pensionen, Hotels und Privatzimmer. Und ich bin bereit, auch mal einen Euro mehr auszugeben.  Ein Zimmer zu reservieren ist bei meiner Vorstellung von Etappenzielen nicht möglich und bestimmt auch nicht nötig. Aber wie gesagt, da mache ich mir weniger sorgen, als über streunende Hunde.
Bei meiner Hundephobie, habe ich mir natürlich auch Pfefferspray gekauft, und wenn ich morgens um 7 Uhr im dunkeln alleine durch eine Ortschaft lief, habe ich schon manchmal Gänsehaut gehabt. Aber das Sprichwort „ Hunde die bellen, beißen nicht „ muss wohl stimmen. Ich habe meine chemische Keule jedenfalls nicht einsetzen müssen. Außerdem habe ich noch meinen Pilgerstab aus knochigem Kastanienholz, der sieht so furchterregend aus, da halten alle Hunde Abstand.
Mit dem Pfefferspray ist das auch so eine Sache. Ich weiß bis heute nicht, ob es überhaupt in Spanien erlaubt ist, dieses mit sich zu führen, geschweige denn einzusetzen. Die größte Angst hatte ich jedenfalls bei der Grenzkontrolle, weil die Kontrollen in Nordspanien doch sehr intensiv sind. Man hat hier immer noch Angst vor Anschlägen der ETA o. ä. 
Im letzten Jahr habe ich mein Pfefferspray in einem Waffengeschäft gekauft, weil ich über die Benutzung und Sicherheit fachlich beraten werden wollte. Das habe ich dann mit den 5fachen Preis bezahlt. Inzwischen habe ich festgestellt, dass Pfefferspray  bei jedem Schlüsseldienst und eine einem Fall sogar bei der Postagentur für unter 5 Euro zu haben ist. Da bleibt nur noch die Frage nimmt man Pfefferspray mit Zielstrahl oder Zerstäuber?  Die Frage ist nicht nur ironisch gemeint. Beim Zielstrahl kann man sein Ziel verfehlen und dann trotzdem gebissen werden, einem Zerstäuber kann man im Kampf mit der Bestie selber was abbekommen und ist dann auch wehrlos gegenüber seinem Kontrahenten. Also, jede menge Stoff zum Philosophieren, aber nichts für pragmatische Menschen.

Über die Ausrüstung habe ich ja schon ab und zu ausgelassen. Und sicher ist es auch wichtig- sehr wichtig sogar-. Aber teilweise geht mir das ganze Kommerzgehabe über die sog. Outdoorausrüstung auf den Keks.  Dass ich bei Schuhen, mit denen ich einige Hundert Kilometer laufen will, nicht zu Reno gehe, sondern vernünftige Qualität bevorzuge ist selbstverständlich. Dass ich aber für ein Mikrofaserhandtuch 3o Euro zahle, wenn es das gleiche Tuch bei Karstadt für 9,90 gibt, sehe ich überhaupt nicht ein.
Ebenso ist es mit der Kleidung. Wollige, warme Unterwäsche ist vielleicht nicht gerade das richtige. ( Trocknet schlecht, ist schwer) aber sog. Funktionsunterwäsche gibt es auch schon zu vernünftigen Preisen, eben nicht im Outdoorgeschäft. Ich könnte noch viel über Kleidung schreiben, so sind z.b. die Socken sehr wichtig. Socken die Falten werfen, oder Nähte haben sind ein Angriffspunkt für schmerzhafte Blasen. Deine Idee mit den Sandalen finde ich sehr gut. Natürlich müssen die Sandalen auch gut eingelaufen sein. Sandalen verursachen die meisten Blasen nicht am Fußballen, sondern da wo die Riemen scheuern.
Aber auch bei Funktionskleidung geht die Meinung der „ Experten“ weit auseinander.
Funktionskleidung soll die Feuchtigkeit nach außen abgeben aber Eindringen der Kälte verhindern, was wiederum bewirkt, dass Körper wegen fehlender Verdunstung überhitzt.
Da steh ich nun als kleiner Tor und bin nun klüger ( dummer ) als zuvor.

Aber jetzt muss ich wieder mal Schluss machen, sonst höre ich gar nicht mehr auf.

Habe übrigens im Internet recherchiert, von wegen Pilgerseminar. Nachdem ich den Preis gesehen habe, war ich ziemlich entsetzt.  Da ich weiß, dass es auch Pilgerseminare
(Vorbereitungsseminare) gibt die wesentlich günstiger sind, (Ansprechpartner sind hier die einzelnen Jakobusgesellschaften) habe ich mich mehr mit  Raimund Joos beschäftigt und war eigentlich ziemlich entsetzt. Was die Vermarktung des Jakobsweges betrifft, treibt er es auf die Spitze.
Aber dass muss wohl so sein???
Die Frage lass ich erst mal so stehen. Ich muss mich damit noch ein wenig mehr auseinandersetzen.

So sei denn gegrüßt aus dem schönen badischen Land, wo es hoffentlich bald wärmer wird und die Sonne den Kaiserstuhl erwärmt, der mir in den nächsten Wochen Geborgenheit und Kraft bei den Vorbereitungen auf meinem Weg nach Santiago.

Klaus



Sonntag, 14. Februar 2010

Ich sitze wie auf Koffern




Hallo Klaus,

ganz lieben Dank für Deine informative mail- wie Du ja weißt saugt man jede neue Nachricht über den Weg begierig auf. Es ist ja trotz allem ein riesiges Fragezeichen. Zur Zeit kreisen meine Hauptgedanken um ein eventuelles Verlaufen und das dann vielleicht nicht rechtzeitige Erreichen einer Herberge. Und wie verhält man sich, wenn man in ein Unwetter gerät- Gewitter, sintflutartige Regenfälle und und und.
Nachdem ich ja zunächst die große Strecke Pamplona-Santiago gehen wollte, spiele ich jetzt mit
den Gedanken ein wenig bescheidener anzufangen, und in Burgos zu starten. Oder kann man gut
auch mal eine Strecke mit dem Bus fahren? Klar, werde ich die einfachen Pilger-Herbergen ansteuern.
Mir geht es ja bei diesem Abenteuer nicht um körperliche Höchstleistungen, sondern vor allem um menschliche Erlebnisse und Erfahrungen unter außergewöhnlichen Bedingungen. Jeder einzelne Pilger hat seine einzigartige Geschichte und seinen ganz persönlichen Hintergrund- das ist spannend, und verbindet sicher auch. Ansonsten lasse ich mich zur Zeit von Paul Coelho inspirieren. Schlüsselerkenntniss ist zur Zeit der Spruch von seinem Reisebegleiter Petrus: " Das erste Symptom dafür, daß wir unsere Träume töten, ist, daß wir nie Zeit haben. "Ein Mensch darf nie aufhören zu träumen. Der Traum ist für die Seele, was Nahrung für den Körper bedeutet, heißt es bei Coelho. Ich denke, dass ist auch ein Motiv, mich auf den Weg zu machen. Ich
bin neugierig auf die Begegnung mit mir selbst, auf die Besinnung auf meine Wurzeln, und darauf eine langsamere Gangart einzulegen, um eher zu mir selbst zu finden.
Danke für das Angebot mit den DVDs - morgen kommt mein Computerspezi, und ich hoffe, das er das Problem "Knacken" wird. Klar, kannst Du meine Lehrlingsfragen ins Netz stellen. Beim Thema Rucksackpacken steht für mich fest: ganz, ganz sparsame Garderobe. Der einzige Luxus an Gewicht wird mein Tagebuch und eine Art Mantra-Bibel sein, die mir hoffentlich über seelische Durststrecken hinweghilft.
Schön, das bei Dir die Anreise steht. Bei uns in der Umgebung findet übrigens am 26.3. ein Wochenend-Seminar mit Raimund Joos zum Pilgern auf dem Jakobsweg statt. Da werde ich dabei sein, und neugierig die Ohren spitzen. Also nochmals lieben Dank fürs virtuelle coachen.

Hallo ,

In dieser Faschingswoche mit viel Helau und Alaaf ( bei uns sagt man „Narri - Narro“) ist die Sehnsucht nach etwas Ruhe und Besinnlichkeit enorm gestiegen. Außerdem kommt jetzt die Zeit, wo man sich nach dem vielen Schnee und dem wirklich schönen Winter wieder etwas nach Frühling sehnt.

Deine Gedanken übers Verlaufen, schlimme Unwetter und wilde Tiere will ich gar nicht erst aufgreifen. Das ergibt sich von selbst. Nach den ersten Kilometern wird sich das erledigt haben.
Es gibt ein afrikanisches Sprichwort

Nur wenn man sich im Weg irrt, 
lernt man den richtigen Weg kennen.

Die Idee – erst mal etwas kürzer zu gehen – finde ich sehr gut. Ich stand vor dem gleichen Problem und habe lange daran herumgedoktert.
Für mich wäre es eine Katastrophe gewesen, nach hundert oder zweihundert Kilometern aufzugeben, oder das Ziel erst im nächsten oder übernächsten Jahr ( Wenn überhaupt)zu erreichen. Also, was tun? Es gibt viele, die die Strecke SJPdP bis Santiago in mehreren Jahres- Etappen laufen und die damit gut zurecht kommen. Und denen ist es auch egal, ob sie erst in ein oder zwei Jahren die Kathedrale in Santiago erreichen. Für mich war es aber wichtig erst einmal in Santiago anzukommen, deswegen habe ich zuerst die Strecke so gewählt, dass die Wahrscheinlichkeit das Ziel zu erreichen, sehr groß war. Und ich war glücklich, dieses Ziel mit den vielen anderen erreicht zu haben, egal woher sie kamen oder wie viel Kilometer sie gepilgert waren. Wer einmal die Atmosphäre in Santiago erlebt hat, den lässt der Jakobsweg nicht mehr los, ob er nun 100 oder 800 Kilometer zurückgelegt hat. Mir hat das jedenfalls Antrieb gegeben.

Die sog. Compostela ( Urkunde) war zuerst Nebensache für mich und eigentlich nicht wichtig.
Der Pilgerpass nur ein unerlässliches Mittel um in den Herbergen zu übernachten.
Das hat sich aber schon nach der ersten Etappe geändert.
Der Pilgerpass dokumentierte nicht nur meine Leistung, sondern wurde so etwas wie der Mitgliedsausweis einer Gruppe, in der ich mich aufgehoben fühlte und deren Mitglieder nicht nur das gleiche Ziel hatten.
Auch hier ist wieder nicht nur das Ankommen in Santiago gemeint, sondern auch das Ankommen in mir selbst.


Wer übrigens die Urkunde haben will, der muss die letzten 100 Kilometer mit 2 Tagesstempeln nachweisen können. Wer aber 600 Kilometer gepilgert ist, aber die letzten Hundert nicht, der geht leer aus.
Wer mit dem Bus oder Privatauto fährt, wer in einer Reisegesellschaft ein paar mal „spazieren geht“ oder wer mit dem Wohnmobil anreist um jeden Tag 5 Kilometer zu joggen bekommt aber die Urkunde, wenn er zwei Stempel pro Tag nachweist. Da jeder Kiosk oder Laden, jede Kirche oder Pension, jede Gemeinde und jede Pinte eifrig Stempel in deinen Pass drücken, ist dies einfacher als sonst was. Und wenn man bedenkt, dass der Spanier viel dafür gibt, wenn er z.b. diese Urkunde seinen Bewerbungsunterlagen beilegen kann oder muss, dann weiß man auch, dass hier dem Beschiss Tür und Tor geöffnet sind.
Aber darüber habe ich mir nur am Anfang Gedanken gemacht. Wichtig war für mich nur das, was ich auch für mich verantworten konnte.

Das Wochenendseminar mit R. Joss würde ich gerne erleben, leider ist dieser Weg nach Norden „weiter“ als der Weg nach Santiago.

So nun hab ich schon wieder so viel geschrieben, deshalb komme ich zum Schluss und will dir auch ein Zitat mitgeben.

Du musst deinen eigenen Weg finden, nicht meinen.
- Richard Bach, EinsSein


Und wie, wo oder wann du deinen Weg gehst, ich hoffe wir treffen uns unterwegs.
Viele liebe Grüsse
Klaus

Donnerstag, 11. Februar 2010

Fragen über Fragen

Lieber Klaus,
ich habe heute wirklich wie ein kleines Kind vorm leuchtendem Christbaum mit vielen Geschenken gesessen, als ich Deine lange mail mit den vielen, vielen wunderbaren Informationen las. Du bist für mich der erste und wichtigste spirit in der Annäherung an meinen Jakobsweg.
Ich denke auch, das vor allen die Begegnungen mit Menschen,die sich auch auf den Weg gemacht haben, dieser Reise eine besondere Tiefe und Berührung geben. Ich werde mich durch die von Dir angegeben Adressen arbeiten,und meiner Vorstellung von dem Weg hoffentllch ein zunehmend schärferes Profil geben.Ich finde es sehr ympathisch, dass Du Deine Streckenlängen nach Lust, Tagesform und spontanen Erlebnissen gestaltest. So gehe ich auch auf die Reise- da ich ein Morgenmensch bin kann ich mir gut vorstellen im Morgengrauen so um sechs Uhr loszugehen, und dann schon am frühen Nachmittag nach Quartierfindung in einem Cafe entspannt die Eindrücke des Tages zu verarbeiten.
Meine Sorge in diesem Stadium: kann ich die Karten gut genug lesen,
um meinen Weg zu finden, und nicht im Nirwana-Dickicht zu stranden. Womöglich
bei Einbruch der Nacht., umzingelt von wilden Tieren. Sorry, jetzt geht die Fantasie durch...Bei der Auswahl der Schlafstätten bin Pragmatikerin, ich nehme was kommt,und bin es zufrieden. Wenn alle paar Tage die Sehnsucht nach der warmen Dusche zu groß wird, steig ich in einem kleinen hostel ab.Ein kleiner Bauchweh-Punkt: bin ich wirklich fit genug, z.B. 25-30 km pro Tag zu laufen. Ich bin
seit Jahren gut trainiert, gehe jeden zweiten Tag ins Fitness-Studio- aber mit dem Gepäck auf dem Rücken??? Du merkst schon, es sind diese kleinen Ängste, die
jetzt arbeiten.
Alles in allem: ich will losgehen, und ich werde losgehen. Warum nicht am 16.4. von Pamplona aus. Dort soll es ja eine Pilgerherberge geben. Vielleicht können wir uns dort treffen? Alles weitere entscheidet sich vor Ort " locker". Mittwoch kommt mein Mac-Spezie- vielleicht kann er es einrichten, das ich die Videos sehen kann.
Ich danke Dir noch einmal von Herzen für die liebevoll zugesandten Infos. Sie werden mir sehr helfen, meinen Weg zu finden. Ich wünsche Dir eine frohe Woche
Liebe Grüsse




Eben habe ich meine letzte Etappe der Hinfahrt von Irun nach Pamplona im Internet buchen können und es hat auch geklappt. Leider habe ich kein Ticket mehr für 8,90 Euro bekommen aber für 13.00 Euro ist es immer noch billiger als bei der DB oder vor Ort 28.00 Euro zu zahlen. Außerdem habe ich das Ticket gleich ausdrucken können. Jetzt steht der Anreise nichts mehr im Wege und ich hoffe, dass ich gesund bleibe.

Ich bin voller Euphorie und will dir auch gleich auf deine E-Mail antworten.

Deine Fragen sind die gleichen, die ich mir gestellt habe, als ich meinem ersten Jakobsweg geplant habe. Aber fangen wir gleich an.

Herbergen in Pamplona zu finden ist genau so einfach wie eine Bar auf der Reeperbahn zu finden. Doch genau wie in Hamburg ist es auch in Pamplona viel Nepp dabei. Aber in Pamplona gibt es eigentlich nur ein Ziel. Die Herberge „ Casa Paderborn „ der Jakobusfreunde Paderborn. Man muss allerdings etwas Glück haben, denn die Plätze sind begrenzt.
Eine Riesenherberge mit über 100 Plätzen in einer Kirche „ Jesus und Maria „ schreckt eher ab. Und wer die erste Nacht hier verbringt, wird eher mit vielen gemischten Gefühlen auf den Jakobsweg gehen. Es gibt noch eine Menge privater Herbergen, in denen man günstig übernachten kann, außerdem eine Menge Pensionen und Hotels. Trotzdem rate ich, den ersten Abend direkt in einer öffentlichen Herberge zu verbringen. Statt alleine in einer Pension auf einem kleinen Zimmer zu verbringen und vor Aufregung kaum ein Auge zuzumachen oder den Abend in einer der vielen Bars zu verbringen, sollte man gleich den Kontakt zu den Pilgern suchen. Und zwar zu den Pilgern, die vielleicht schon ein paar Tage unterwegs sind oder ihren so-und-so-vielten Jakobsweg gehen. Wenn man nicht alles berücksichtigt, was einem so an Tipps gegeben wird, wird man den richtigen Eindruck und die richtige Motivation bekommen und vielleicht ergibt sich dann schon die erste Begegnung und die erste „gemeinsame Etappe“.
Noch mal: Gemeinsame Etappe heißt nicht, den ganzen Weg gemeinsam zu laufen, sondern eher spontane Treffen unterwegs und sich am Ziel wieder treffen.

Ich werde diesmal nicht in Pamplona übernachten. Da ich um 10.00 Uhr ankomme, werde ich mich noch auf den Weg machen und in einem der nächsten kleineren Orte übernachten.
Aber wie gesagt Planung und Ausführung kann voneinander abweichen.



Ich glaube nicht dass fit sein unbedingt das wichtigste ist. Bestimmt eine gewisse Grundkondition sollte man schon haben. Man kann auch langsam angehen und merkt schnell das man immer besser wird.
Das Wichtigste ist meines Erachtens ist das Schuhwerk und das Gepäck. Ich habe immer wieder festgestellt, dass hier die Probleme am größten waren. Ich habe vor meinem ersten Jakobsweg auch heftig trainiert und bin z.b. in 6 Tagen um die Insel Sylt gelaufen. Allerdings ohne Gepäck. Dann habe ich festgestellt, dass nichts schlimmer sein kann als zu viel Gepäck und schlechter oder schlecht getragener Rucksack. Man kann trotz Super Trekking Rucksack viele Probleme kriegen, wenn man die Gurte nicht richtig befestigt oder den Rucksack nicht richtig packt.
Nicht umsonst ist der Rucksack das Thema 1 unter den Pilgern.
Bei meinen Schuhen hatte ich keine Probleme, auch Blasen hatte ich auf ganzen Weg nicht. Allerdings habe ich auch auf neue Wanderschuhe verzichtet und ein paar „alte Latschen“ getragen, mit denen ich schon einige Kilometer abgegrast habe.

Für mich ist diesmal das Wichtigste, Gewicht zu sparen, weil der Rucksack für mich die größte Herausforderung war. Wie ich Gewicht sparen will weiß ich noch nicht so genau. Ich werde ein andermal darüber berichten.


Karten lesen braucht man eigentlich nicht. Die einfachen Wegeskizzen tun´s auch. Die Ausschilderung des Weges ist eigentlich ziemlich gut. Trotzdem habe ich mich letztes Jahr verlaufen, weil ich nach den vielen gelben Pfeilen auch einer Route mit gelben Stangen gefolgt bin, die sich dann als Gasleitung herausstellte. Aber mit Hilfe der einfachen Skizzen, kommt man immer schnell auf den Weg zurück.

Falls du die Filmchen im Internet nicht ansehen kannst, kann ich dir auch eine DVD schicken. Das macht mir kein Problem, lass es mich wissen. Ich hoffe du bist einverstanden, dass ich unseren Schriftwechsel auch ins Internet stelle.
Also sei recht herzlich gegrüßt.
Klaus

Dienstag, 28. April 2009

INFO


Hallo nach 3 Tagen Strapazen endlich eine größere Stadt mit Internet. So kann ich Euch berichten. Aber der Reihe nach. Heute ist eigentlich schon der 30. April. Ich will aber die Reihenfolge anhalten, deshalb mache ich weiter mit Dienstag den 28. April. Danke für die vielen guten Wunsche und ganz besonderen Gruß an die neuen Blogteilnehmer aus Reute.
Die Übernachtung war grausam bei Jesus, Kaum geschlafen. Grausame Schnarcherei. Über mir lag Ringelblume.

Bevor ich aber hier weitererzähle muss ich erst mal einige meiner Mitpilger vorstellen, die ich teilweise schon vom letzten Abend kenne und die mich noch eine Weile auf diesem Weg begleiten werden. Die meisten bis zum Schluss.


Also zuerst zu Ringelblume Eine ältere Dame aus Solothurn, die jedem stolz erklärt, dass sie Schweizerin ist. Ihr breiter Kölner Dialekt passt allerdings gar nicht dazu. 56 Jahre alt aber älter aussehend. Lange weiße Haare zu Zöpfen geflochten. Blumen im Haar und auf dem Esoteriktrip. Läuft schon einige Zeit mit einer Französin zusammen, die ihr aber heute irgendwie abhanden gekommen ist. Da sie immer Ringelblumen im Haar hat, nennt sie jeder nur Ringelblume.


Dann ist da noch ein Deutsch/Spanier, knapp über 40,  der in Deutschland aufgewachsen ist und in Wiesbaden wohnt.  Hat gestern abend fast 4 Stunden nur telefoniert, weil er so viele Probleme daheim hat.  Und da sein Handy irgendwann den Geist aufgab, hat er den ganzen Abend den Münzautomaten blockiert, bis auch hier sein Geld irgendwann aufgebraucht war. Außerdem ist er dauernd hinter irgendwelchen Pilgerinnen her, und sein Charme macht es möglich, dass viele Frauen seine Nähe suchen. Oder ist es nur, weil er Spanisch und Deutsch spricht?


Ein Wiener, noch eben mal 30, mit wenig Gepäck und noch weniger Geld weil seine Scheckkarte am Bankautomaten eingezogen wurde. Es hat nur Funktionskleidung an und mich friert schon wenn ich die dünnen Klamotten sehe. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Wärme geben. Er wollte eigentlich die ganze Zeit im Zelt übernachten, aber als es in den Pyrenäen schneite, hat er das Zelt schon mal nach Santiago geschickt. In den Bergen von Leon, wo es ebenfalls geschneit hat, hat er sich dann noch eine Erkältung geholt.

Ein Wuppertaler, über 60, der schon zum vierten Mal läuft und alles kennt. Läuft mit Trainingsanzug und Kartentasche und ist auf alles vorbereitet.


Der Ostdeutscher (35), später Magdeburger Briefmarke, der ganz verzweifelt ist, weil er nirgends Briefmarken bekommt. Ich hatte Glück und habe im Tabakladen noch Briefmarken gekauft, aber jetzt ist der Laden geschlossen. Da freut er sich riesig darüber, dass ich ihm eine überlasse.