Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann;
gib mir den Mut, Dinge zu ändern,
die ich zu ändern vermag,
und gib mir die Weisheit,
das eine vom andern zu unterscheiden.

Rainer Maria Rilke

Montag, 27. April 2009

Nur kaltes Wasser

Über die Herberge Fenix in Villafranco del Bierzo habe ich viel gelesen. Sie ist eine Institution auf dem Jakobsweg. Ich lasse die Gemeindeherberge links liegen und begebe mich gleich in die Bleibe von Jesus, die eher einem verkommen Gartenhaus mit Schafstall ähnelt, als einer Herberge. So hab ich mir die Herberge von Maria und Josef auch vorgestellt. Von Jesus und seinen 2 sind Heiler und können durch Handauflegen Impotenz behandeln. Ich frage mich nur, was braucht einer auf dem Camino Potenz, der braucht doch Kondition. Ich bin ziemlich früh, es ist gerade erst 2 Uhr und ich überlege, ob ich noch weitergehen soll. Aber die nächste Herberge ist weit weg und der Weg dorthin führt entweder 15 Kilometer an einer Landstrasse oder über die Berge. Ich beschließe zu bleiben und checke mich ein. Die Übernachtung kostet 5 Euro. Es gibt Abendessern für 6 Euro, für das man sich anmelden muss. Ich schlage das Angebot aus und murmele etwas von Unwohlsein. Ich trinke noch einen Cafe, den gibt’s umsonst und unterhalte mich mit einem Pärchen aus Wien, die dermaßen erkältet sind, dass sie nicht wissen ob sie weitergehen solle, oder heimfahren sollen. Nebenher läuft ein Fernseher und ich verstehe nur etwas von Schweinegrippe. Ich schätze, das Thema wird mich noch eine lange Zeit beschäftigen. 

Die Herberge in Villafranca

Es gibt einen Schlafzahl für ältere Pilger, und freue mich über die Bevorzugung. Später erfahre ich dann, dass man den Schlafsaal nur eingerichtet hat, weil die älteren Pilger immer so laut schnarchen. Ich besichtige die Sanitärräume und bin entsetzt. Es gibt nur kaltes Wasser und auf der Toilette ist man lediglich durch einen Vorhang geschützt. ¨
Ich überlege kurz, meine Sachen zu packen um im Ort nach einer anderen Herberge oder einer Pension zu suchen.



Anmeldung an der Rezeption

Kaffe gab´s umsonst

Bildunterschrift hinzufügen

Aber ich kann mich der Faszination um den Camino nicht entziehen. Es ist unbeschreiblich wie man von der Atmosphäre angesteckt wird.

Jetzt sitze ich frisch gewaschen und nicht geduscht in einer Kneipe und genehmige mir ein Bier. Da es fast überall Internet gibt, schreibe ich meine Eindrücke und Begegnungen gleich ins Internet. Leider ist die Tastatur anders als bei uns und es gibt auch keine Umlaute. Es ist eine ziemliche Hackerei und der Text ist voller Fehler. Es gibt auch keine Rechtschreibprüfung. Aber was soll´s, dass kann ich ja später erledigen.

Es hat angefangen zu regnen, trotzdem setze ich mich ins Freie und vespere meine Brotzeit, die ich mir im Ort geholt habe. Brot, Käse und Wein aus dem Bierzo sind wirklich etwas besonderes. Um so mehr ich jetzt das Abendessen sehe, was die Herberge bietet. Eine undefinierbare Gemüsesuppe, eine vegetarische Tortilla und zum Nachtisch ein Joghurt. Und während einer der Söhne von Jesus serviert, ist der andere schon wieder mit Handauflegen beschäftigt. Für 5 Euro gibt es eine Anzahl von Pilger, die von diesem Angebot Gebrauch machen. Da stört es auch nicht, wenn der Heiler nebenbei noch auf den Fernseher schaut oder sich mit den anderen Pilgern unterhält.



Der Sohn von Jesus beim " Heilen"



(Bitte nochmals darum fehlende Buchstaben zu entschuldigen. Aber das Z oder das Y ist woanders als auf der deutschen Tastatur. Umlaute sind auch nicht vorgesehen. Ich krieg die Krise.
Sorry wie schreibt man Kriese¿¿¿ Wo ist das Fragezeichen¿???? Hier heißt eine Frau Louise. Hab sie gefilmt. Ihr werdet staunen.


Schluss für heute..

Heute grüsse ich besonders die 4 aus Wasser und hoffe, dass sie es schaffen, einen Kommentar zu hinterlassen. Also Manni, Biene, Assi und Fabi strengt euch an, ich will was von euch lesen!!!

Gruß Klaus

Die anderen gruess ich später

Der erste Pilgertag

Von Ponferrada nach Villafranca del Bierzo

Kaum zu glauben, aber wahr. Die ersten 25 Kilometer habe ich hinter mir. Die Nacht war lang und ich habe kaum geschlafen. Habe mich gefühlt, wie ein Rennpferd vor dem Start. Um vier Uhr schlafe ich endlich ein und bin um 5 Uhr wieder hellwach. Um 6 Uhr stehe ich auf und um 7.30 Uhr laufe ich endlich los. Es ist noch dunkel und natürlich kommt mir gleich der erste Hund entgegen. Ich zücke sofort mein Pfefferspray aber brauche es nicht. Wahrscheinlich will mir der Hund nur den Weg zeigen. So wie alle hier. Ständig wird man gegrüßt und man wünscht einen guten Camino. Wenn ich auch nicht immer verstehe, was einem zugerufen wird. 
Noch im Dunkeln geht´s los

Erst geht es mal durch die Stadt...

immer der Markierung nach

Der Weg ist gut ausgeschildert

trotzdem habe ich mich verlaufen

Fensterplatz!

Die Muschel führt mich weiter

Die Strecke ist auch sehr gut ausgeschildert. Da sind die offiziellen Schilder und viele andere Hinweise. Steinplatten mit Jakobsmuscheln im Boden oder Jakobsmuscheln am Wegesrand und immer gelbe Pfeile. Trotzdem habe ich in der Stadt die Route verloren. Aber ich bin noch keine 10 Meter auf dem falschen Weg, ruft eine Oma aus dem 3 Stock, die gerade ihre Betten ausschüttelt, dass ich falsch bin und zeigt mir den richtigen Weg.

Die gelben Pfeile sind überall auf der Strasse, an Wänden, an Bäumen und und und ...
Und trotzdem verlaufe ich mich. Ich sehe nur noch gelbe Pfosten und laufe einfach den Pfosten nach und irgendwann übersehe ich wohl eine Abzweigung. Aber da sind ja noch die gelben Stangen. Nach weiteren 500 Metern merke ich dann, dass die Pfosten wenig mit dem Jakobsweg zu tun haben. Wahrscheinlich verläuft hier die Gasleitung nach Madrid. Also wieder zurück. Ich laufe weiter durch eine grandiose Landschaft mit viel Weinbergen, treffe viele Pilger und stelle fest, dass viele der Pilger alleine laufen. Gruppen gibt es ganz wenige.  Aber das kann sich ja noch ändern.


Bitte bei Schreibfehlern nachsichtig sein. Die Tastatur ist anders und ich kann mich auch nicht so richtig konzentrieren.

Gruß

Sonntag, 26. April 2009

Noch was zum Schmunzeln Rückblicke

Pilgerherberge


Diese kirchliche Herberge kostet natürlich nichts. Eine Spende ist willkommen und sollte 3 - 5  Euro betragen. Es sind etwa 100 Pilger hier. Außerdem 30 Touristen mit dem Bus, die auch als Pilger gelten. Die schlafen alle in einem großen Schlafsaal und die Pilgerausweise werden en bloc abgestempelt. Für 10 Tage zahlen die 1400 Euro und brauchen natürlich nicht alles laufen. Auch benötigen sie keinen Rucksack. Ihre Koffer werden im Bus transportiert. Die Pilgerurkunde bekommen sie trotzdem alle. Jetzt fahren die mit dem Bus zum Essen. 
Buspilger mit Koffer...

....stürmen die Herberge
Ich habe auch Hunger, da ich jetzt schon 2 Tage nichts gegessen habe. ¨Aber außer einem Getränkeautomaten gibt es hier nichts. Aber ich habe vergessen, dass heute Sonntag ist. Es soll zwar ein Geschäft geben das geöffnet hat, aber 30 Minuten zu Fuß ist mir doch zu lang. Also suche ich ein Restaurant in der Nähe der Herberge aber vor 20.00 Uhr ist keins der Lokale geöffnet. Und um 20.00 Uhr ist doch Pilgerandacht. Also gehe in die nächste Pinte und trinke ein Bier in der Hoffnung, dass es Tapas gibt und ich etwas in den Magen bekomme. Aber es gibt keine Tapas sondern nur Erdnüsse. Also futtere ich ein paar Schalen Erdnüsse und trinke einige Bier. Als ich in die Herberge komme ist die Andacht schon fast vorbei. Ich habe ein schlechtes gewissen, tröste mich aber damit, dass es noch genug Pilgermessen geben wird.
Im Innenhof der Herberge
Ich schlafe (wie schon berichtet) in einem 4Bett Zimmer. Mit mir im Zimmer ein Italiener, den ich nur kurz sehe, weil er sich gleich schlafen gelegt hat und furchtbar erkältet ist. Ein Paar aus Montreal, die schon  18 Tage unterwegs sind. Bei Schnee und Regen. Für die letzten 200 KM planen sie 8 Tage. Ich plane das doppelte.
202, 5 Kilometer bis Santiago


Morgen früh will ich die erste Etappe laufen. Werde immer dann berichten, wenn es Internet am Wege gibt. Will mich aber nicht vom Internet stressen lassen. Der PC ist hier sehr langsam, deshalb lass ich es heute mit Bildern und liefere diese nach.

Endlich angekommen

Ich erreiche Irun gegen 20.00 Uhr und finde auch ein gleich eine Pension. 35 Euro für ein ziemlich dreckiges Zimmer schrecken mich heute nicht ab. Dabei gibt es eine Herberge, aber das weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Am nächsten Morgen geht es komfortabel aber auch sehr langsam mit der spanischen Bahn weiter. Im Zug entdecke ich immer mehr Pilger. Sie sind leicht zu erkennen. Jeder hat einen Pilgerstab und eine Jakobsmuschel am Rucksack. Ich hab keins von beiden, aber als Pilger bin ich wohl auch zu erkennen. Warum ständig Pilger aussteigen oder andere zusteigen kann ich mir jetzt noch nicht erklären. Jetzt wo wir noch fast 7oo Kilometer von Santiago entfernt sind.
2 Pilgerinnen an der Bahnstrecke bei Sahagun




Am späten Nachmittag komme ich endlich in Ponferrada an. Nach 2 Tagen anstrengender Bahnfahrt bin ich am Ziel und doch erst am Anfang. Das Wetter ist unterwegs immer besser geworden. Nach Dauerregen heute Morgen scheint jetzt die Sonne. Die Landschaft ist unbeschreiblich. Die Berge die ich in der Ferne sehe, sind immer noch schneebedeckt. Wie das Gebirge allerdings heißt, kann ich nicht sagen und das macht mich nervös. Habe ich mich etwa nicht gut vorbereitet und muss ich über diese Berge und durch den Schnee?

Jetzt muss ich erst mal die Pilgerherberge finden. ¨ Vor dem Bahnhof sehe ich 4 Pilger im Taxi verschwinden. Meine Fragezeichen und Erwartungen werden immer größer. Ponferrada ist eine größere Stadt und natürlich verlaufe ich mich erst einmal. Nach einer guten Stunde erreiche ich endlich die Herberge. Die kirchliche Herberge ist dem heiligen Nikolaus von der Flühe geweiht.

Herberge in Ponferrada



Was für ein Start!!!  Der Hospitalero oder auch Herbergsvater sieht in meinem Pilgerausweis, dass ich Nikolaus heiße und ist sofort fasziniert. Er bringt mich persönlich in ein Zimmer und erklärt mir unterwegs die ganze Geschichte der Herberge und vieles mehr. Leider verstehe ich nur die Hälfte, da er hauptsächlich spanisch spricht. Das um 20.00 Uhr eine Pilgermesse ist kann er natürlich auch in deutsch und vielen anderen Sprachen. Ich bin in einem Vierbettzimmer untergebracht, was eigentlich Luxus ist. Aber das weiß ich jetzt noch nicht.  Ich stelle mein Gepäck ab, lege meinen Schlafsack auf das untere Bett gehe zurück in den Empfangsraum. Oder soll ich besser Aufenthaltsraum sagen? Oder Küche? Fernsehraum? Lesezimmer? Der Raum ist alles. Es wimmelt nur so von Pilgern. Ich bin erstaunt und doch fasziniert. Und immer kommen neue Pilger an.
Später wird dieser Raum noch zum Schlafzimmer, da die Betten gegen 8.00 Uhr alle belegt sind. Im Moment sind alle mit Essen beschäftigt. Der Küchentrakt ist kleiner als bei uns daheim, es gibt nur ein Herd mit 2 Platten, aber 20 Personen kochen gerade. ¨

Innenhof der Herberge

Der erste Kilometerstein
Es sind alle Nationen vertreten, viele Deutsche und Franzosen. Aber auch Japaner und Koreaner. Und wer nicht gerade kocht, ist mit seinen Füssen beschäftigt.  Für eine Französin ist heute Schluss, sie hat sich das Bein gebrochen.

Werde immer dann berichten, wenn es Internet am Wege gibt. Will mich aber nicht vom Internet stressen lassen. Der PC ist hier sehr langsam, deshalb lass ich es heute mit Bildern und liefere diese nach. MM Deine Nachricht habe ich gelesen.
Ansonsten ist heute Abend Andacht angesagt und was essen muss ich auch. Duschen auch!
Bis morgen

Samstag, 25. April 2009